Baugrund Biebrichgelände noch immer kontaminiert??

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Baugrund Biebrichgelände noch immer kontaminiert??

Beitragvon Hurtiguh » Mo Feb 05, 2018 11:06 am

Sagt mal, ihr erinnert euch sicher auch noch an die die ehem. Chemische Fabrik Biebrich an der Rheingau östlich der Schiersteiner Brücke? War in Betrieb bis nach dem zweiten Weltkrieg, wenn ich mich recht erinnere haben die damals Baustoffe für den Straßenbau hergestellt..
Mitte 2015 ham se dann die ganzen Gebäude abgerissen, das Gelände ausgehoben gehabt und neue Erde eingesetzt und meinten jetzt ist alles wieder "sauber".
Schadstoffe sickern mehrere Jahrzehnte lang in die Erde, ins Grundwasser und alles und die wollen mir erzählen mit nem bisschen Aushub ist das wieder weg? Lach..

Warum ich mich das tangiert?
Weil ich evtl schon bald unmittelbarer Nachbar sein könnte, an der Uferstraße wird ein kleines Baugrundstück frei wofür ich mich interessiere. Und ehrlich gesagt hab ich keine Lust in 30 Jahren dann an Krebs zu sterben..
Kann man als potentieller Bauherr eigentlich Einsicht in die Akten bekommen? Also wenn ich da zum Bauamt gehe und sage ich möchte hier ein Haus bauen und will vorher schwarz auf weiß versichert haben dass hier nichts mehr mit Giften im Boden ist dann dürfte die Frau Fordey-Stange doch eigentlich nicht ins Gestammel kommen...
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Re: Baugrund Biebrichgelände noch immer kontaminiert??

Beitragvon wieshierist » Di Feb 06, 2018 12:45 pm

Die Gründung der Chemischen Fabrik Biebrich fand bereits 1885 statt, seitdem wurde sie bis MItte der 90er Jahre hauptsächlich als Teerölbetrieb genutzt, bis 2011 wurde sie dann zur Herstellung und dem Vertrieb von Straßenbaustoffen und Schienenlagerungssystemen genutzt.
Die Hessische Altlastengesellschaft (HIM-ASG) ist seither damit beschäftigt das Gelände zu dekontaminieren, man spricht von einer der schlimmsten Kontaminierungen die man in den letzten zwei Jahrzehnten gesehen hat.

...."insbesondere bei wärmeren Temperaturen sei überall auf dem Gelände Teeröl ausgetreten. Aus freiliegenden Rohren, aus Spalten im Beton. Erste Grabungen hätten dann das ganze Ausmaß der Kontamination gezeigt. "Die Erde war schwarz, immer wieder sind wir auf flüssiges Teeröl gestoßen. Unter anderem in sieben undichten Tanks und zahlreichen Gruben, die wir unter der Erde entdeckten", erzählt der Geologe Dieter Bohlen ...."*

Natürlich hat man damals im Hinblick auf die Natur kaum bis gar keine Maßnahmen zur Vorbeugung getroffen, es wurde alles fröhlich in die Flüsse und ins Grundwasser geleitet und heute wundert man sich, kann aber nicht mehr viel machen, was einmal ins Grundwasser gesickert ist geht auch nicht mehr raus, da können sie erzählen was sie wollen.

Mich wundert nur dass du dort ein Grundstück für den Hausbau kaufen willst, da das Areal hinter der Schiersteiner Brücke als reines Gewerbegebiet ausgeschrieben und ein Wohnungsbau deshalb absolut ausgeschlossen ist.
Du meinst dann sicher etwas weiter östlich? Da müsste es ja meines Erachtens nach dann wieder möglich sein zu bauen.
Mach doch einfach bevor du das Grundstück erwirbst so eine Baugrunduntersuchung, das machen doch heutzutage fast alle Bauherren vor dem Bau eines Massivhauses um sich abzusichern.
Wenn das nicht möglich ist solltest du es zumindest so früh wie möglich nach dem Kauf machen, da wird unter anderem geprüft ob der Boden kontaminiert ist und wenn ja, wie viel Bodenaushub gemacht werden muss.
Lässt sich aber noch einiges mehr mit feststellen**:

- Ermittlung des Gründungshorizontes (Fundamentsohle)
- Notwendigkeit von Bohrpfahlwänden oder Winkelstützmauern bei Hangbauten
- Dimensionierung der Bodenplatte als Flachgründung
- Dimensionierung von Einzelfundamenten und Tiefgründungen
- Erforderliche Abdichtungsmaßnahmen für erdberührte Bauteile
- Erforderliche Wannenausbildung bei hohen Grundwasserständen
- Vermeidung der Verunreinigung von Schichtenwasser durch vorhandene Altlasten

Kostet halt bisschen was, ich denke mit nem Tausender biste dabei.
Du kannst sicher auch zum Bauamt gehen, die werden dir aber dasselbe sagen wie all den anderen "Da ist alles okay, keine Sorge Herr XY!".
Gesetzlich sind die verpflichtet dir Auskunft zu geben, wirkliche Sicherheit bekommst du dann aber halt nur durch so eine Bodenuntersuchung.
Warum willst du allerdings ausgerechnet in der Nähe der Rheinwiesen bauen? Das wäre mir viel zu belebt dort ehrlich gesagt.


Gruß




Quelle
*http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/auch-rheinwiesen-verseucht-starke-belastung-auf-gelaende-der-ehemaligen-chemischen-fabrik-in-wiesbaden-biebrich_15087654.htm
**https://www.keller-bauen.de/baugrundgutachten.html
wieshierist
 
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