Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

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Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon letura » Sa Okt 02, 2010 7:59 pm

Bezugnehmend auf einen Zeitungsartikel des Wiesbadener Kuriers vom 02.10.2010

http://www.wiesbadener-kurier.de/region ... 467276.htm

Arno Brandscheid, der Geschäftsführer des ASB Wiesbaden/ Rheingau-Taunus, hat den Leistungsbereich Krankentransport, des ASB Wiesbaden privatisiert und ist nun selbst Inhaber des nun privaten Krankentransportunternehmens Mobility Service GMBH.

Laut eigenen Angaben des Geschäftsführers Hrn. Brandscheid, sei der Leistungsbereich in den roten Zahlen gefahren.
Klar, daß man sich solch ein Pleiteunternehmen dann selbst unter den Nagel reißt, um der armen Hilfsorganisation, den Verlust zu ersparen.
Oder sollten doch finanziell interessante Möglichkeiten, privat ausgeschöpft werden...?

Zu einem anderen Artikel des Wiesbadener Tagblattes, vom 16.09.2010, wird der neue Kandidat der FDP, zur Landratswahl vorgestellt.... ja, richtig geraten.... Herr Arno Brandscheid... :wink:

http://www.wiesbadener-kurier.de/region ... 401528.htm

Ist nicht gerade die Partei des Hrn Brandscheid mitverantwortlich, daß mittlerweile Hilfsorganisationen, Krankenhäusern etc privatisiert werden müssen... ?

Auch unter dem Vorwand, daß Hr Brandscheid nun Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit gibt, in einem geregelten Arbeitsleben wieder Fuß zu fassen, finde ich hier mehr als fadenscheinig.
Richtiger wäre es hier zu schreiben, daß mehr als 50% der Angestellten des Leistungsbereiches Krankentransport ASB Wiesbaden, vom Geschäftsführer Hrn Brandscheid die Kündigung bekommen haben, um billige Arbeitskräfte für das eigene Unternehmen einzustellen.
Diese Leute arbeiten für 7,50 Euro brutto...macht bei 160 Arbeitstunden im Monat ca 1200,- brutto.... Für eine wohlgemerkt, körperlich schwere Arbeit... :? bei der man alte und kranke Menschen befördert.

Die eingestellten Langzeitarbeitslosen werden in den ersten sechs Monaten natürlich vom Steuerzahler finanziert...Klar, daß die Probezeit für die Einstellung in das Privatunternehmen des Hrn Brandscheid, bei sechs Monaten liegt....
Interessant wäre natürlich, ob nach Ablauf der Frist, diese Billigarbeitskräfte in dem Unternehmen weiterbeschäftigt werden, oder ob man auf neue, vom Steuerzahler finanzierte Kräfte zurückgreifen muß, weil sich die Alten dann nicht mehr als rentabel erweisen... :roll:
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Re: Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon wiehell1 » Sa Okt 02, 2010 8:13 pm

letura hat geschrieben:...daß Hr Brandscheid nun Langzeitarbeitslosen die Möglichkeit gibt, in einem geregelten Arbeitsleben wieder Fuß zu fassen,...
...mehr als 50% der Angestellten des Leistungsbereiches Krankentransport ASB Wiesbaden, vom Geschäftsführer Hrn Brandscheid die Kündigung bekommen haben,...


Das siehst Du falsch. Die rund 50 Prozent erhalten jetzt für die nächste Zeit ALG1. Haben also beinahe genausoviel auf dem Konto, wie bisher - und können sich eine Zeit lang auf Kosten der Allgemeinheit ausruhen.
Und nach rund 2 Jahren bekommen sie als Langzeitarbeitslose eine neue Change, ok, 7,50 Euro, damit kann man keine Familie über die Runden bringen. Aber dafür gibt es ja vom Amt ergänzende Leistungen - und wer arbeiten will, der fährt dann auch im Monat 160 Stunden. Da sie von der Allgemeinheit unterhalten werden, kann man ihnen ja auch ruhig etwas abverlangen. Oder? Habe ich da etwas nicht richtig verstanden?
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Re: Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon letura » Sa Okt 02, 2010 8:31 pm

:wink: Im Prinzip hast Du recht, was die nun arbeitslosen Angestellten angeht...aber ich wollte noch einmal verdeutlichen, wie sich unsere Politiker, durch die von ihnen genehmigten Gesetze, durch den Steuerzahler die Taschen vollstopfen.... :?

Vieleicht noch einen Spendenaufruf für den ASB Wiesbaden, denn die Gelder, wird die durch eine Arbeiterbewegung gegründete Hilfsorganisation auch brauchen.... könnte doch eine arbeitsrechtliche Konsequenz daraus entstehen, wenn die entlassenen Arbeitnehmer wegen Tarifflucht klagen.... :wink:
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Re: Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon raphael-wiesbaden » So Okt 03, 2010 10:25 am

Zum einen muss zunächst einmal differenziert werden zwischen den Begrifflichkeiten
- Krankentransport
- Krankenfahrt

Auch wenn es sich gleich anhört, es ist nicht dasselbe.
Beim ersteren benötigt die zu befördernde Person eine ständige fachliche Betreuung während der Fahrt; die Besatzung ist darin geschult, bei plötzlichen Zwischenfällen mit dem vorhandenen Material eingreifen zu können und wegen der funktechnischen Anbindung Unterstützung nachzufordern.
Weil die Vorhaltung von Krankenkraftwagen (KTW) nur für diesen Beförderungszweck nicht wirtschaftlich wäre, hat man hier in WI und andernorts in Hessen schon seit Jahren auf das so gen. "Mehrzweckfahrzeugsystem" umgestellt.
Ein MZF (Mehrzweckfahrzeug) ist im Grund genommen ein Rettungswagen (mit allen Ausrüstungen und der entsprechenden fachlich geschulten Besatzung), welches auch Krankentransporte durchführt.

Beim zweiten Begriff geht es schlicht um die Beförderung von Personen, die nicht in der Lage sind, mit dem öffentlichen Nahverkehr (incl. Taxi) zu einer med. Massnahme zu fahren bzw. von dort nach Hause.
Erforderlich ist also ein Transportfahrzeug mit einer Trage bzw. einem fahrbaren Transportstuhl und zwei Personen mit Kraft - sonst nichts (abgesehen vom Führerschein...)
Eine Beförderung von Menschen mit z.B. ansteckenden Erkrankungen ist hier nicht möglich.
In der zweiten Option tummeln sich etliche Betreiber; häufig zu sehen vor den Rehaeinrichtungen, aber auch den diversen Kliniken hier in WI.

Ein Krankentransport wird anders (besser bzw. höher) vergütet wg. der fachlichen Gründe.
Eine Krankenfahrt wird niedriger vergütet.

Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen möchte der ASB im zweiten Segment unbedingt mitmischen; obwohl dies, wie im WK-Artikel auch angeschnitten wurde, mit "sauberen" Arbeitsmethoden incl. einer angemessenen Bezahlung kaum möglich ist.

Privatisierung halte ich nicht unbedingt für Teufelswerk.
Eine Menge Aufgaben in diesem Land können bzw. könnten privatwirtschaftlich organsisiert gut erledigt werden.

Allerdings ist das jetzige Geschäftsmodell doch sehr arg "steinzeitkapitalismus".
Der eigentliche Betreiber ASB (Arbeiter Samariter Bund) hat seine geschichtlichen Wurzeln in der Arbeiterbewegung unter der Regierung von Reichskanzler Fürst Bismarck, als 'Sozialdemokrat' noch ein Schimpfwort war und heutzutage selbstverständliche Rechte etwas Unerhörtes waren.
Der ASB ist ferner Mitgliedsverband im DPWV - dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Wie sich die Ziele und Satzungsstatuten des freigemeinnützigen Vereins "ASB" mit diesem Geschäftsmodell vereinbaren lässt, wo die Gesellschaft Lohnzuschüsse bezahlen darf, damit das ASM-Plemplem an Fahrzeugen und Mitarbeitern haften bleibt, ist wohl das Geheimnis des Herrn Brandscheid.

Nicht in diese Diskussion gehörend, aber für mich zur Gesamtthematik der explodierenden Gesundheitsausgaben gehörend:
die Aufwendungen für den Rettungsdienst und den Krankentransport belaufen sich in -D- auf etwa 1% der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen.
Seit Jahren beobachten die Rettungsdienste in ganz -D- eine immer grössere Erwartungshaltung der Bevölkerung (wir zahlen ja Beitrag... :roll: )
Da fordern Eltern selbstverständlich einen Krankentransport für ihr fieberkrankes Kind an.
Der eigene PKW ist unzumutbar, denn niemand erstattet da die Fahrtkosten (Benzin) bzw. die Parkgebühr der HSK.

In einem Wohnhaus mit etwa einem Dutzend Mietparteien erscheint es unzumutbar, einen nachweislich beschäftigungslosen Nachbarn zu bitten, als Chaffeur zu fungieren, weil der Patient wegen einer Gipskontrolle in die Klinik muß und wegen seines Gipsverbandes eben nicht eigenständig fahren kann.

Die Liste ist beliebig verlängerbar - die Anzahl der Menschen, die völlig ohne Gehirn bzw. soziales Bewusstein leben, nimmt tagtäglich zu.
Doch dies sollte ja nicht vom eigentlichen Thema ablenken!
Was Herr Brandscheid da macht, passt hervorragend zu der Partei, die eindeutig Lobbypolitik betreibt.
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Re: Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon letura » Mo Okt 04, 2010 6:20 am

raphael-wiesbaden hat geschrieben:Zum einen muss zunächst einmal differenziert werden zwischen den Begrifflichkeiten
- Krankentransport
- Krankenfahrt

Auch wenn es sich gleich anhört, es ist nicht dasselbe.
Beim ersteren benötigt die zu befördernde Person eine ständige fachliche Betreuung während der Fahrt; die Besatzung ist darin geschult, bei plötzlichen Zwischenfällen mit dem vorhandenen Material eingreifen zu können und wegen der funktechnischen Anbindung Unterstützung nachzufordern.
Weil die Vorhaltung von Krankenkraftwagen (KTW) nur für diesen Beförderungszweck nicht wirtschaftlich wäre, hat man hier in WI und andernorts in Hessen schon seit Jahren auf das so gen. "Mehrzweckfahrzeugsystem" umgestellt.
Ein MZF (Mehrzweckfahrzeug) ist im Grund genommen ein Rettungswagen (mit allen Ausrüstungen und der entsprechenden fachlich geschulten Besatzung), welches auch Krankentransporte durchführt.

Beim zweiten Begriff geht es schlicht um die Beförderung von Personen, die nicht in der Lage sind, mit dem öffentlichen Nahverkehr (incl. Taxi) zu einer med. Massnahme zu fahren bzw. von dort nach Hause.
Erforderlich ist also ein Transportfahrzeug mit einer Trage bzw. einem fahrbaren Transportstuhl und zwei Personen mit Kraft - sonst nichts (abgesehen vom Führerschein...)
Eine Beförderung von Menschen mit z.B. ansteckenden Erkrankungen ist hier nicht möglich.


Dazu kann ich auch noch aus eigener Erfahrung sagen, daß gerade die privatisierten Fahrunternehmen darauf keine Rücksicht mehr nehmen, denn aufgrund des Konkurenzdenkens werden auch viele Iso-Fahrten durchgeführt.... Natürlich zum Leidwesen der darauffolgend transportierten Personen, da die Fahrzeuge nach einer Infektionsfahrt weiter in Fahrt bleiben, während nach einem qualifiziert ausgeführten Transport, erst einmal das Fahrzeug desinfiziert werden muß.
Deshalb sollte man sich auch nicht wundern, daß in Deutschland die Zahl der zB MRSA- infizierten stetig ansteigt. :shock:

Zum Führen eines nicht qualifizierten Krankentransport, benötigen die Fahrer einen sogenannten Personenbeförderungsschein, der bei dem Unternehmen des Hrn Brandscheids auch damit umgangen wird, weil die Firma ihren Sitz in Taunusstein angemeldet hat.... Hier benötigt man also nur den "kleinen" P-Schein...die Fahrzeuge transportieren aber trotzdem überwiegend in Wiesbadener Krankenhäuser. :?

Vor Jahren hat sich der ASB mit dem nun geschlossenen Leistungsbereich, vertraglich einem Zusammenschluß anderer Hilfsorganisationen verpflichtet....dem sogenannten MTM...über eine Zentrale werden Fahrzeuge angefordert und diese gibt in der Regel die Aufträge, an die in ihrem Bund fahrenden Fahrzeugen per Funk weiter.
Dieser Vertrag wäre eigentlich bis zum Ende des Jahres bindend gewesen.....(31.12.2010)
Nun brechen Zeiten an, da sind Verträge noch nicht mal das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen...

Unserer Politiker gehen uns mit diesen Beispielen voran...man muß sich also nicht mehr wundern, wenn es überall bergab geht...
Die, die es können und die Einfluß darauf haben, ziehen dem kleinen Mann, der sich nicht wehren kann, das Geld aus den Taschen, um sich zu bereichern..und das nennt man dann mit "legalen Mitteln"...? :roll:

Mir stellt sich noch folgende Frage... die Mittel aus dem alten Leistungsbereich, sind nun in den Besitz der Privatfirma des Hrn Brandscheid übergegangen...
Sicherlich nicht nur die Fahrzeuge, die ich am letzten Freitag noch mit ASB-Logo durch die City fahren sah, sondern zB auch die Bekleidung etc.
Ist es rechtens, daß eine Privatfirma sich weiterhin mit dem Logo einer bekannten Hilfsorganisation schmücken darf, nur weil der Inhaber dieser Firma, auch als Geschäftsführer des ASB Wiesbadens agiert...oder liegt hier ein eindeutiger Interessenskonflikt vor...?

Vieleicht sollte Hr Brandscheid sich nicht nur von der Presse bauchpinseln lassen...sondern sich erst einmal entscheiden, was man in Zukunft sein soll....

-Der saubere FDP Politiker, der als Kandidat in die Landratswahl geht
-Ein guter Geschäftsführer einer bekannten deutschen Hilfsorganisation, die es gilt auch so zu vertreten...
-Der Inhaber einer Firma, die Mitarbeiter zu einem Lohn einstellt, der zum Überleben zu wenig und zum Sterben zu viel ist...und sich diese Arbeiter, mit den Geldern aus Steuermitteln noch vergüten lässt....
:?: :?: :?
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Re: Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon raphael-wiesbaden » Mo Okt 04, 2010 7:56 am

Betreff von Patienten, die eigentlich unter Isolationsbedingungen (Infektionsgefahr bzw. so gen. Infektionstransport) befördert werden:
"Mitschuld" hieran hat der Besteller, also Kliniken und Arztpraxen.
Gerne wird übersehen, daß einerseits das Personal und die Besucher sich vor Betreten eines Patientenzimmers mit einem darin befindlichen infektiösen Patienten sich Überkittel anziehen müssen usw.
Andererseits wird bei der Anforderung eines Transportfahrzeugs diese Information aus-welchen-Gründen-auch-immer des öfteren unterschlagen.
Besonders arm dran sind da die Besatzungen der Krankenfahrten.
Hier besteht oft noch nicht einmal eine Trennwand zwischen Front- und Krankenbereich.
Wenn also ein Patient eine "Tröpfcheninfektion" hat (Erreger werden über Niesen oder Husten oder auch schon heftiges Ausatmen übertragen), besteht keinerlei Schutz.
In fachlichen Internetforen berichten Mitarbeiter der Rettungsdienste immer mal wieder, daß es gerade in Arztpraxen, aber auch anderswo, von elementarer Wichtigkeit zu sen scheint, ja kein "Aufsehen" zu verursachen.
"Vermummte" Rettungsdienstmitarbeiter könnten ja das Wartezimmer beunruhigen...
Aber auch Patienten und deren Angehörige zeigen sich nicht immer kooperativ.
Da wird das Tragen eines Mundschutzes empört zurückgewiesen, weil dies angeblich behindert und nicht "nett" aussieht.
Wichtiger ist also, daß "Oma Krawuttke" ihren R-o-t-z (das Schreiben ohne Bindestriche hat das Wort zensiert) in der Gegend versprühen darf.
Spez. Schutzausrüstungen für die Fahrzeugbesatzung sind selbstverständlicher Bestandteil von ordentlich nach Norm ausgerüsteten Fahrzeugen des Rettungsdienstes.
Bei den ruinösen Tarifen kann es sich wohl der Unternehmer von Krankenfahrten hingegen nicht leisten, "einfach so" Infektionsschutzausrüstungen in den Fahrzeugen vorzuhalten.
Schutzanzüge, Überschuhe, Einweghandschuhe, Atemmasen sind bspw. heutzutage in jedem gutbestückten Baumarkt (!) zu finden.
Über die Preise kann sich so jeder selbst informieren.

Infektionsgefahren im stationären Bereich
In den stationären Altenpflegeeinrichtungen ist die medizinische Ausbildung der MitarbeiterInnen insgesamt unzureichend.
Deutschland ist hier ein Exot - nur hier (und in Österreich) gibt es einen eigenen Ausbildungsgang im Bereich der Altenpflege.
Im ganzen EU-Ausland spezialisiert sich das Krankenpflegepersonal nach seiner grundlegenden Berufsausbildung bei Interesse im Bereich der Geriatrie; so wie wir es hier bei uns auch u.a. von den Bereichen OP, Änästhesie, Intensivpflege usw. her kennen.
Ausserdem ist der Anteil an ausgebildeten Fachkräften in der stationären Altenpflege sehr knapp.
In einer Klinik kann ich mich darauf verlassen, daß die Pflegekräfte, die mich umsorgen, eine dreijährige Ausbildung haben oder diese gerade absolvieren.
Der Anteil nichtausgebildeter Pflegekräfte (z.B. junge Leute im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres - FSJ) ist sehr beschränkt.

In der stationären Altenpflege ist es genau anders.
Hier ist der Anteil "examinierter" Pflegekräfte knapp; der Haupttteil der Mitarbeiter sind Leute mit einer Miniausbildung von einem Jahr, Personen mit Berufsausbildungen, die hier in -D- keine Anerkennung finden, an- und ungelernte Personen (dies meint z.B. Frauen, die in den 60-er-Jahren einmal einen 4-Wochen-Lehrgang zur Schwesternhelferin gemacht haben).

Doch dies ist ganz klar ein politisches Problem.
Alte Menschen sind wichtig als Stimmvieh bei Wahlen, sonst nichts.

Eigentlich kann polemisch-einfach gesagt werden, daß sämtliche stationären Pflegeeinrichtungen mit multiresistenten Erregern durchkeimt (klingt netter wie "verseucht") sind.
Eine Gesellschaft, die pflegerische Leistungen mit der Stoppuhr bewertet, darf sich nicht wundern, wenn einfachste Hygienemassnahmen einfach untergehen, weil dafür das Personal dafür keine Zeit mehr hat.
In Dänemark ist dies z.B. komplett anders.
Stattdessen darf sich die Pharmaindustrie freuen, weil ständig neue Antibiotika erfunden werden müssen, die so schön vermarktet werden können...
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Re: Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon letura » Mo Okt 04, 2010 2:02 pm

Nun ich dachte auch an die vielen Fahrten, die chronischkranke Patienten in Anspruch nehmen müssen...

Nehmen wir zB einen Dialysepatienten, der 3x die Woche in die Klinik gefahren werden muß. Hat der Patient einen multiresistenten Keim, streikt oft die Kasse bei der Genehmigung der qualifizierten Transporte.
Die Patienten sind oft gezwungen selbst draufzuzahlen, oder unqualifiziert zu fahren. Da die Hilfsorganisationen noch bestimmte Vorgaben haben, was solche Transporte betrifft und nicht geschulte Mitarbeiter sich NOCH darauf berufen können, solche Fahrten abzulehnen, wendet sich der Patient an ein privates Unternehmen und wird dort auch nicht abgelehnt. Ganz im Gegenteil...die Fahrer kommen nur mit Latexhandschuhen bestückt zum Patienten nach Hause, um ihn dann in eine Klinik zur Dialyse zu fahren :?
Man muß ja konkurenzfähig bleiben.... :wink:

Sehr zum Leidwesen der Kliniken, die so regelmäßig die Keime eingefahren bekommen....

Nicht nur daß Isomaßnahmen immer ein ganzes Zimmer sperren (für lange Zeit), sondern auch, daß es eine Klinik teuer kommt, wenn eine Infektion bei einem Patienten auftritt.
Die Kliniken rechnen mit den Kassen nach Fallpauschale ab... das bedeutet, die Klinik bekommt für eine bestimmte Behandlung auch nur eine bestimmte Summe an Geld.
Längere Liegezeiten sollen so vermieden werden.... Tritt nun eine Infektion bei einem Patienten auf und die Klinik kann nicht beweisen, daß der Keim aus einem anderen Haus etc stammt, dann muß der Patient ausbehandelt werden....
Und das kann dauern.

Das Personal einer Klinik ist dazu angehalten, Patienten und Besucher auf die Isomaßnahmen hinzuweisen und ist selbst im eigenen Interesse daran interessiert, daß diese auch eingehalten werden.
Ich kann diesbezüglich nicht für Arztpraxen oder zB Altenheime sprechen, :|

Da lobe ich mir doch, wie unsere europäischen Nachbarn mit multiresistenten Keimen umgehen...wieso können deutsche Gesetze nicht letztendlich dafür sorgen, daß man darauf bedacht ist, die Zahl der Krankenhausinfektionen so gering wie möglich zu halten. In den Niederlanden wird jeder Patient bei Aufnahme abgestrichen und ist erst dann ohne Keim und wird dann auch so behandelt, wenn ein Schnelltest diesen Keim nicht nachgewiesen hat. Ich glaube die Kosten solch eines Testes belaufen sich auf gerade mal 6,50 Euro, wenn ich mich noch recht daran erinnere. Also nicht die Welt. Nur übernehmen die Kassen diese Tests noch nicht, es sei denn, es besteht bei Aufnahme, der Verdacht auf solch eine Infektion.

Wie Raphael schon gesagt hat...die Pharmaindustrie jubelt, denn dort verdient man sich eine goldene Nase mit solchen Infektionen...
Im Gegensatz zu dem 6,50 Schnelltest, kostet zB eine Packung Zyvoxid, ich glaube 750,- Euro... :shock:

Unser teueres Gesundheitssystem ist leider auch nicht mehr das, was es sein sollte.

Doch wir schwenken vom Thema ab... Thema war das Privatisieren eines Leistungsbereiches des ASB Wiesbaden/Rheingau-Taunus. :wink:
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Re: Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon wiehell1 » Mo Okt 04, 2010 3:46 pm

Wenn ich das von Letura, Raphael und Laui - mit den Behindertenparkplätzen - so lese, bekomme ich das k.... .
Ich frage mich wirklich, in was für einer Bananenrepublik wir leben.
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Re: Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon MarkusWi » Mo Okt 04, 2010 8:48 pm

Hallo wiehell1,
dazu kann man in der heutigen Zeit nur sagen: "Geld regiert die Welt!"
Und man muss nur nach Berlin blicken und sieht wohin das führt
- Kopfpauschale (für die mit Geld z.B. kein Problem)
- Kürzungen bei Betreuung im Krankenhaus
- Mehrklassenmedizin (?)
- ja sogar schon Überlegungen, wann in welchem Alter eines Patienten sich was noch lohnt

Solidaritätsprinzip?? - Aber doch nicht mehr in der heutigen Zeit!!

Mehr kommt von mir hierzu erst mal nicht sonst schwillt mir der Kamm.
MarkusWi
 

Re: Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon letura » Do Apr 21, 2016 9:34 am

Das Thema ist wieder aktuell... Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden, ermittelt gegen Hrn. Brandscheidt...

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Re: Hilfsorganisation privatisiert einen Leistungsbereich

Beitragvon GunnenSar » Mi Sep 21, 2016 10:38 pm

Na das ist doch mal was.
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